"Geschichten aus dem Wiener Wald" von Ödön von Horváth

Volksstück, Uraufführung 2. November 1931 in Berlin

Personen

Zauberkönig, Oskar, Alfred, Der Rittmeister, Erich, Havlitschek, Kretin, Beichtvater, Der Mister, Conférencier, Der Ober, 1. Onkel

Marianne, Mathilde, Eine gnädige Frau, Erste Tante, Zweite Tante, Dritte Tante, Vierte Tante, Ida, Emma, Die Grossmutter, Die Mutter, Die Tochter, Tänzerinnen

Ort und Zeit

Wien, Wienerwald und draussen in der Wachau, in unseren Tagen

Inhalt

Die junge Marianne soll auf Drängen ihres Vaters, des skurrilen Zauberkönigs, den Fleischer Oskar heiraten. Sie ist abgestossen von dem derben, brutalen Mann, aber sie wird bei ihm ein sicheres Auskommen haben. Um Versorgung statt Liebe ist es auch dem flotten Ganoven Alfred zu tun, der auf Rennplätzen spekuliert und sich von Mathilde aushalten lässt. Marianne verliebt sich in Alfred und lässt die Verlobung mit Oskar platzen. Für Alfred ist sie ein nettes Abenteuer. Ihre Verbindung mit Oskar aber will er keinesfalls verhindern, da Marianne als Besitzerin eines Fleischerladens für ihn sicher noch attraktiver wäre. Marianne bricht mit ihrer Umwelt, idealisiert den feschen Alfred, träumt vom grossen Glück.

Ein Jahr später bleibt das Paar in einer schäbigen Absteige. Ein Baby hat sich eingestellt, Alfred ist als Vertreter kosmetischer Artikel gescheitert. Sie streiten sich, schieben einander die Schuld zu an der miesen Situation. Um nicht zu verhungern, wird Marianne Tänzerin in einer Porno-Show. Der Säugling bringt Alfred in die Wachau zu seiner Familie.

Der Zauberkönig, Mariannes Vater, hat zufällig Mariannes Nacktauftritt besucht. Er, der auf sein Vergnügen aus war, spielt den entrüsteten Ehrenmann und sagt sich von der Tochter los, bemitleidet sich und diese Schande.

Verzweifelt will Marianne einem betrunkenen Amerikaner einige Geldscheine klauen. Der Diebstahl bringt sie ins Gefängnis. Mathilde, die sich unterdessen mit dem zackig-deutschnationalen Studenten Erich getröstet hat, nutzt die Gelegenheit, sich Alfred zurückzuholen.

Marianne, nunmehr vorbestraft, versöhnt sich mit Oskar und hofft, damit die Zukunft ihres Kindes gesichert zu haben. Als sie es holen will, steht sie vor dem kleinen Leichnam. Sie bricht zusammen. Ihr bleibt nichts als die wütende Anklage gegen Gott und die Welt, wie bösartig und sinnlos man ihr mitgespielt hat.

Quelle: Reclams Schauspielführer, 1993